Nur Professorinnen an der Uni Leipzig

Generisches Femininum ein Fortschritt zurück

Wieder einmal wird das Thema „geschlechtergerechte Sprache“ an einer deutschen Universität ausgefochten. Nachdem ein Plakat an der Uni Bonn Anfang des Jahres für neuen Diskussionsstoff sorgte, ist nun die Universität Leipzig im Fokus der Debatte. Dort soll in der Grundordnung in Zukunft nur noch die weibliche Personenbezeichnung verwendet werden. Ein Kommentar.

 

Das generische Femininum soll in der Grundordnung der Universität Leipzig verankert werden. Da, wo vorher die sogenannte Schrägstrich-Variante, also zum Beispiel Dozent/Dozentin, gewählt wurde, steht in Zukunft nur noch Dozentin. Dies soll ein weiterer Schritt zur Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft sein, wobei offensichtlich ein Geschlecht sprachlich diskriminiert wird. Gleichstellungsbeauftrage wittern einen weiteren Sieg in der Schlacht um Gerechtigkeit, ohne zu merken, dass der Kampf an der falschen Front stattfindet.
 
Um die sprachliche Gleichstellung zu gewährleisten, wurde der Sprachgebrauch in vielen Teilbereichen der Gesellschaft in den letzten Jahren angepasst. Dazu wurde entweder die bereits angesprochene Schrägstrich-Variante, oder die Innen-Endung verwendet. So kann gewährleistet werden, dass beide Geschlechter gerecht und gleichmäßig adressiert werden. Diese Varianten sind sicherlich weder sprachlich elegant, noch erleichtern sie den Lesefluss – aber sie sind wenigstens gerecht. Und das war nötig, nach Jahrhunderten des generischen Maskulinums.
 
Prof. Dr. Friederike Maier, Ökonomin an der HWR Berlin, hält den Leipziger Ansatz für eine Art legitime Notwehr. Sie sagt im Interview mit der Deutschen Hochschulzeitung, dass sie die Sprachreform gut fände, da so der Spieß einmal umgedreht werde. So wüssten Männer jetzt, wie es sich anfühle, nicht sprachlich mit eingeschlossen zu werden. Frau Prof. Dr. Maier ist neben Ihrer Tätigkeit als Dozentin außerdem Gutachterin des Netzwerks Gender Equality and Employment der EU-Kommission.
 
Die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft ist zweifellos ein wichtiges und längst überfälliges Thema. Den Geschlechterkampf nun aber auf dem Rücken der Sprache auszufechten, ist falsch und viel zu einfach. Die Sprache ist ein Instrument, das von sich aus niemals diskriminieren kann. Wenn es an einer Stelle dazu missbraucht wird, oder es so angewandt wird, dass sich jemand diskriminiert fühlt, so muss etwas dagegen unternommen werden. Dies wurde in der nahen Vergangenheit sehr umfassend vorangetrieben. Nun als Retourkutsche das generische Femininum einzuführen, ist ein falscher Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Denn damit wird genau das wieder durchgeführt, was nun jahrelang so erfolgreich bekämpft wurde: Der, mehr oder weniger bewusste, sprachliche Ausschluss eines Geschlechts. Das fördert weder die Karrierechancen der Frauen in der Wissenschaft, noch den zielorientierten Diskurs über ein wichtiges Thema. So hat die Universität Leipzig der Gleichstellung einen Bärendienst erwiesen.
 


Tags: Universität, Studierende, Hochschule, Leipzig, Gender, geschlechtergerechte Sprache, generisches, maskulinum, femininum, Debatte, Grundordnung, Prof Dr Friederike Maier, Gesellschaft
Quelle: http://www.duz.de; Foto: Rike / pixelio.de
Autor: Dennis Prumbaum

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